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Farbloser Topas: Härte 8 und trotzdem zerbrechlich

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Topas hat Härte 8. Nach Diamant und Korund ist er damit der härteste Stein, dem man im Schmuck regelmäßig begegnet. Und er ist trotzdem derjenige, der am Werktisch am ehesten durchbricht – nicht abgeschliffen wird, sondern glatt in zwei Teile fällt. Härte und Bruchfestigkeit sind zwei verschiedene Eigenschaften. Topas ist das Lehrbuchbeispiel dafür, und farbloser Topas ist die Variante, bei der es am häufigsten schiefgeht – weil er als günstige Alternative zu Diamant und weißem Saphir verkauft und dann auch so behandelt wird. Eine Ebene, an der alles hängt Topas besitzt eine vollkommene basale Spaltbarkeit : eine einzige Ebene, quer zur langen Kristallachse. Kein Netz von Rissen, keine zwei Richtungen wie beim Kyanit – genau eine Fläche, entlang derer die Bindungen im Gitter schwächer sind als sonst. Was das bedeutet: Ein Schlag, ein Hebel oder ein einseitiger Druck in der falschen Richtung tre...

Zirkon ist nicht Zirkonia: zwei Steine, ein Wortstamm

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Zwei Buchstaben Unterschied, und dahinter zwei völlig verschiedene Steine. Zirkon ist ein natürliches Mineral, das seit Jahrtausenden aus der Erde kommt. Zirkonia ist ein Laborprodukt aus den 1970er Jahren. Sie teilen ein chemisches Element und sonst fast nichts. Die Verwechslung ist bequem für Verkäufer und teuer für Käufer – in beide Richtungen. Wer „Zirkon“ liest und Zirkonia bekommt, zahlt zu viel. Wer „Zirkonia“ liest und Zirkon übersieht, verpasst einen der optisch interessantesten Steine überhaupt. Was die beiden wirklich sind Zirkon ist Zirkoniumsilikat, ZrSiO 4 . Ein Mineral, tetragonal kristallisierend, doppelbrechend. Die ältesten datierten Kristalle der Erde sind Zirkone – sie sind rund 4,4 Milliarden Jahre alt. Zirkonia , vollständig kubisches Zirkoniumdioxid, ist ZrO 2 . Kein Silikat, kein Mineral, kubisch und damit einfachbrechend. Es entsteht im Schmelzofen und braucht einen Stabilisator – meist Yttrium- oder Calciumoxid –, damit die kubische Form bei Zim...

Kyanit: der Stein mit zwei Härten in einem Kristall

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Nehmen Sie einen Kyanit und ziehen Sie eine Stahlnadel der Länge nach über die Kristallfläche: Es entsteht ein Kratzer. Drehen Sie denselben Stein um 90 Grad und wiederholen Sie es quer: nichts. Gleicher Stein, gleiche Nadel, zwei Ergebnisse. Das ist kein Messfehler, das ist das Mineral. Kyanit ist der einzige Schmuckstein, bei dem die Frage „Wie hart ist er?“ keine einzelne Zahl als Antwort hat. Und weil er in einem Blau vorkommt, das guten Saphiren erstaunlich nahe kommt, taucht er regelmäßig in Angeboten auf, in denen er nichts zu suchen hat. Der zweite Name sagt es schon Das Mineral heißt auch Disthen . Das kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „zwei Stärken“ – genau die Eigenschaft, die den Stein ausmacht. Wer den alten Namen kennt, hat das Wichtigste schon verstanden. Entlang der langen Kristallachse liegt die Härte bei etwa 4 bis 4,5 . Quer dazu steigt sie auf rund 6 bis 7 . Die Angaben schwanken je nach Quelle um einen halben Punkt; unbestritten ist der ...

Morganit: warum ein Karat hier viel größer aussieht

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Ein Ein-Karat-Morganit misst rund 6,7 Millimeter. Ein Ein-Karat-Saphir in derselben Form misst 6,0. Gleiches Gewicht, aber knapp ein Drittel mehr sichtbare Fläche – und genau daher kommt der Preisvergleich, der beim Morganit regelmäßig schiefgeht. Morganit ist rosa Beryll, dasselbe Mineral wie Smaragd und Aquamarin, nur mit Mangan statt Chrom oder Eisen. Er wird oft neben rosa Saphir gestellt, und das ist ein sinnvoller Vergleich – solange man weiß, dass Karat hier nicht dasselbe bedeutet. Ein Name aus dem Jahr 1911 Der Stein heißt nach einem Bankier. George Frederick Kunz, Chefgemmologe bei Tiffany, schlug 1911 vor, den rosa Beryll nach John Pierpont Morgan zu benennen – Kunz’ wichtigstem Sammler und Auftraggeber. Das ist erwähnenswert, weil es die Ausnahme ist: Anders als „Wassersaphir“ oder „Cape Ruby“ borgt sich dieser Handelsname nicht den Namen eines anderen Minerals. „Morganit“ verspricht nichts, was der Stein nicht ist. Das ist mehr wert, als es klingt. Wie das ...

Rubellit oder Rubin? Wenn das Dichroskop nicht reicht

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Beim Spinell und beim Granat entscheidet das Dichroskop: Zeigt der Stein zwei Farben, ist es keiner von beiden. Beim Rubellit funktioniert dieser Test nicht . Er zeigt zwei Farben – und zwar deutlicher als mancher Rubin. Rubellit ist die rote bis pinke Varietät des Turmalins, genauer: des Elbaits. Der Name kommt vom lateinischen rubellus , rötlich. Er ist der einzige der klassischen Rubin-Verwechslungen, bei dem der sonst zuverlässigste Test ins Leere läuft – und dafür zwei andere umso klarer ausfallen. Warum der Zwei-Farben-Test hier versagt Turmalin kristallisiert trigonal, genau wie Korund. Damit hat er eine ausgezeichnete Achse, und damit hat er Pleochroismus – bei Rubellit stark ausgeprägt, meist als deutlicher Wechsel zwischen einem helleren und einem dunkleren Rosarot. Beide Steine zeigen also zwei Farbtöne. Der Test, der Spinell und Granat in Sekunden erledigt, sagt hier nur: „kein Spinell, kein Granat, kein Glas“. Das ist immer noch nützlich, aber es ist keine Antwort....

Granat oder Rubin? Wo die Dichte als Test versagt

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Ein Pyrop-Granat aus Arizona kann bis zu acht Prozent Chromoxid enthalten. Der röteste Rubin kommt auf drei. Trotzdem glüht der Granat unter der UV-Lampe nicht – und der Rubin schon. Das ist kein Widerspruch, sondern der Schlüssel zu diesem Stein. Granat ist der häufigste rote Stein, der für Rubin gehalten wird – häufiger als Spinell, häufiger als Glas. Und er ist der einzige davon, bei dem der Test, der sonst immer funktioniert, versagen kann. Die Namen, die das Problem gemacht haben „Cape Ruby“, „Arizona Ruby“, „Rocky Mountain Ruby“, „Böhmischer Rubin“: Das sind keine Rubine. Das ist in allen vier Fällen Pyrop, ein Granat, benannt nach seinem Fundort und einem Mineral, mit dem er chemisch nichts zu tun hat. Die Namen stammen aus dem 19. Jahrhundert, als böhmische Granate in ganz Europa Mode waren und südafrikanische Funde den Markt vergrößerten. Sie sind heute im Handel nicht mehr zulässig – GIA, ICA und AGTA verlangen die Nennung der tatsächlichen Mineralart, und die am...

Iolith, der „Wassersaphir“: warum der Name irreführt

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„Wassersaphir“ klingt nach einer besonders klaren Saphirsorte. Es ist keine. Der Stein hinter dem Namen ist Iolith – ein völlig anderes Mineral, das mit Korund nichts zu tun hat außer der Farbe. Der Handelsname ist alt und heute selten, taucht aber immer noch auf – und er ist ein Musterbeispiel dafür, wie ein Name mehr verspricht, als das Material hält. Was Iolith wirklich ist Mineralogisch heißt der Stein Cordierit . „Iolith“ ist der Name, unter dem durchsichtige Exemplare in Edelsteinqualität im Handel laufen – das ist zulässig und üblich, so wie Tansanit der Handelsname für blauen Zoisit ist. „Wassersaphir“ ist etwas anderes. Der Begriff gehört zu einer Gruppe alter Namen – daneben „Luchssaphir“ und „Dichroit“ –, die einen Stein nach einem anderen Stein benennen. Genau davor warnen Verbraucherschützer und Fachverbände seit Langem: Ein Name, der ein fremdes Mineral enthält, suggeriert eine Verwandtschaft, die es nicht gibt. Woher der Name kommt – und warum er fast ein Kom...